Halbstark, schön und rebellisch

Fotografien 1950-1990

Er arbeitete 31 Jahre im Lager einer Elektronik-Fabrik in Zürich Oerlikon. Das war eigentlich sein Alltag. Aber es gab eine andere Seite, das wahre Leben: Karlheinz Weinberger (1921-2006) fotografierte Bauarbeiter, Bodybuilder, Schwinger und Boxer, schöne, starke Männer; seine Bilder erschienen unter dem Pseudonym Jim in der Zeitschrift «Der Kreis». Im Milieu der Halbstarken der späten Fünfzigerjahre fand er die Gegenwelt, in der er sich daheim fühlte. «Das Aussergewöhnliche» nannte er es selber auf seinen Visitenkarten.

Die Halbstarken trugen Jeans, damals wenig verbreitet und vor allem in bürgerlichen Kreisen verpönt als Proletarier-Kleid, sie wollten anders sein und sie haben das demonstrativ zur Schau gestellt. Weinbergers Aufnahmen zeigen die jungen Wilden in der Öffentlichkeit, aber immer wieder auch bei sich daheim, in intimen Porträts, erotischen Posen und Ritualen. Nach den Halbstarken zog es ihn zu den Rockern und ihren Motorradclubs. Auch in diesen Aufnahmen ist jene manchmal irritierende Nähe zu spüren, die seine Bilder vermitteln, eine Faszination, die zugleich auch Sehnsuchtserfüllung zu sein scheint.

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der Galerie Esther Woerdehoff Paris.