Von Mitte Juni bis Anfang August 2012 fand im Stadtsaal unsere grosse Sommerausstellung zum Berner Fotopionier Jean Moeglé statt. Während der rund sieben Wochen dauernden Ausstellung besuchten gegen 3700 Fotografieinteressierte das Kornhausforum – ein absoluter Erfolg!

Jean Moeglé war ein begnadeter Porträtfotograf. Ob im Atelier oder bei den Porträtierten daheim, brachte er die Leute nicht nur dazu, still zu halten, um das Bild nicht zu verwackeln, sondern auch, bei sich selber zu bleiben und nicht allzu sehr nur zu posieren – soweit dies bei den damaligen Dresscodes überhaupt möglich war.

Er betrieb sein Atelier im damaligen Thuner Fremdenquartier Hofstetten, im Hotel Gurnigelbad hatte er einen zweiten Laden. Er fotografierte in den Salons der Herrenhäuser am Thunersee und begleitete Touristen auf Bergwanderungen und Skitouren; er fotografierte die Stadt Thun, den See, Interlaken und das Oberland für Postkarten, und er war ein gefragter Gruppenporträtist bei Vereinsanlässen, Familienfeiern oder öffentlichen Aufmärschen.

Moeglé starb im Dezember 1938. Fünf Monate später sollte bei der Räumung seines Wohn- und Atelierhauses sein Nachlass, Tausende von Glasnegativen, entsorgt werden. Werner Krebser, der Vater des Verlegers und Sammlers Markus Krebser, der auf dem Fahrrad unterwegs ins Büro war und an Moeglés Haus an der Thuner Hofstettenstrasse vorbeikam, konnte das Schlimmste verhindern und einige tausend Glasplatten vor der Zerstörung retten. Heute befinden sich die Glasnegative in der Burgerbibliothek Bern.

Die Ausstellung im Kornhausforum, die in Zusammenarbeit mit der Burgerbibliothek Bern entstand, umfasste rund 120 Fotografien, mehrheitlich Neuabzüge ab Glasnegativen. Diese wurden von der Burgerbibliothek zum Teil – und mit Unterstützung von Memoriav – restauriert. Zur Ausstellung ist in der Schriftenreihe «Passepartout» der Burgerbibliothek ein Heft über Jean Moeglé erschienen: «Der Berner Fotopionier Jean Moeglé / Berge, Hotels und Salons», 128 Seiten, zahlreiche Illustrationen.

Die Ausstellung selbst wurde danach vom Schlossmuseum Thun übernommen.