Einblick in das Schaffen von vier ausgewählten Produktegestaltern: Hans Eichenberger, Lisa Ochsenbein, Sebastian Marbacher und Christian Spiess.

Die Ortsgruppe Bern des Schweizerischer Werkbund (SWB) zeigt eine generationenübergreifende Ausstellung mit vier Positionen aus dem Schweizer Produktedesign im Kornhausforum Bern.

Die Schau sucht nach Antworten auf Fragen der Konzeption, der Arbeitsweise ebenso wie der Behauptung im Markt und zeichnet Konstanten wie Unterschiede bei den Protagonisten auf. Die vier Gestalter zeigen auf eigenständige Weise, woran der SWB seit seiner Gründung interessiert ist: gebrauchsfähiges Design, das gestalterisch wie funktional überzeugt und gleichzeitig vermittelt, worauf es im Entwicklungsprozess ankommt; und damit, dass die einst «Gute Form» zeitgemäss interpretiert werden kann und zukunftsfähig ist.

Auf der einen Seite Hans Eichenberger, stilbildend für die private und öffentliche Innenarchitektur der Schweiz. Er ist mit der lokalen Architekturszene und Designproduktion zeitlebens eng verbunden. Mit seinen Entwürfen – darunter über 35 Sitzmöbel – in Zusammenarbeit mit führenden Herstellern wie Bigla, Dietiker, Röthlisberger, Straessle, Wogg, und anderen ist er international bekannt geworden. Einige seiner Objekte sind heute sogar Teil der Sammlung des MoMa in New York. Zum 90. Geburtstag erhielt er 2016 den Schweizer Grand Prix Design für sein Lebenswerk.

Ihm zur Seite gestellt werden die Arbeiten und Methoden von drei Vertretern einer jüngeren Generation.

Lisa Ochsenbein, 1984 geboren und in Bern aufgewachsen, lebt und arbeitet heute in Zürich. Für sie steht die Entwicklung von nachhaltigen Konzepten im Bereich Industrie- und Produktedesign im Vordergrund. Sie ist überzeugt, dass Designer Lösungen für komplexe Probleme entwerfen müssen, statt bloss Produkte in die Welt zu stellen. Mit ihren Projekten reagiert sie auf gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen. Im Frühjahr 2019 wurde sie mit dem Newcomer-Preis der Berner Designstiftung ausgezeichnet.

Sebastian Marbacher, geboren 1986, schaut genau hin, angefangen in der nächsten Umgebung. Als Studienarbeit hat er temporäre Sitzbänke im öffentlichen Raum aus den schweizweit gebräuchlichen Bauabschrankungen hergestellt. Am anderen Pol seiner Inspirationsquellen stehen die verblüffend simplen Gestaltungsprinzipien im fernen China. Als ausgebildeter Industriedesigner mit eigenem Studio arbeitet er mit Unternehmen in einem breiten Spektrum, für ein Kunstmuseum ebenso wie für einen Taschenproduzenten.

Christian Spiess, Jahrgang 1981, hat immer schon gerne mit Material gespielt. Sein Werdegang führt ihn vom Dekorationsgestalter über den Zivildienst in einer Holzwerkstatt für Behinderte bis zu Praxisjahren bei Roman und Erwan Bourellec in Paris. Über das Steckspiel TAWA mit zehnseitigen Holzwürfeln – produziert von der legendären Spielzeugherstellerin Naef – gelangt er zu unterschiedlichsten Entwürfen und Projekten, die ebenso funktional wie sozial tauglich sind. Auch er bezieht Inspiration „vom Strassenrand“, beobachtet genau und hinterfragt gerne vorhandene Normen.

Fotos: Hans Eichenberger mit Gertsch-Bindungen, 70er-Jahre;

Modell Ausstellung; Sebastian Marbacher; Lisa Ochsenbein; Christian Spiess